Kieferaufbau
Vor jeder Implantation überprüfen wir, ob Ihr Kiefer den Implantaten ausreichend Platz bietet. Sollten das Einsetzen von Implantaten für die gewünschte prothetische Versorgung nicht möglich sein, liegt dies meist an einem nicht ausreichenden Knochenangebot. Damit eine Implantatversorgung dennoch erfolgreich umgesetzt werden, könne wir die verlorene Knochensubstanz in den meisten Fällen wieder aufbauen.
Hier stehen verschiedene operative Verfahren zur Verfügung, die wenig aufwendig bis sehr komplex sein können.
Grundsätzlich kann zwischen dem Kieferaufbau durch Fremdmaterialien (sog. alloplastische Knochenersatzmaterialien) und körpereigenem Knochen (autologe Knochentransplantate) unterschieden werden.
Knochenersatzmaterialien werden häufig bei kleinen Knochendefekten verwendet, oder zur Vermischung mit körpereigenem Knochen, um die Dimensionsstabilität zu erhöhen.
Körpereigener Knochen als Transplantat wird dann verwendet, wenn ein größerer Verlust des Knochens eingetreten ist. Hier kann als Spenderregionen der lokale Kieferknochen dienen (Kinnregion, hintere Abschnitte des Ober- und Unterkiefers - Retromolarregion). In seltenen Fällen, z.B. bei komplexen und größeren Aufbauten, sind auch entfernte Spenderregionen wie etwa der Beckenkamm notwendig.
Durch Knochenaufbauten können Verluste des Kieferknochens in allen Dimensionen des Raumes rekonstruiert werden. So kann eine horizontale Verbreiterung des Kiefers, ebenso wie eine vertikale Erhöhung, beispielsweise durch den Sinuslift (Anhebung des Kieferhöhlenbodens), bei geplanter Implantatversorgung im seitlichen Oberkiefer und zu geringem Knochenangebot umgesetzt werden. Darüber hinaus existiert eine Vielzahl weiterer Verfahren, welche wir Ihnen abhängig von Ihrer Situation anbieten können.
Im Zusammenhang mit der Implantologie und chirurgischen Verfahren zum Knochenaufbau, gewinnt die dreidimensionale Bildgebung in der diagnostischen Planung durch DVT (Digitale Volumentomographie) zunehmend an Bedeutung. Mit diesem radiologischen Verfahren sind dreidimensionale Aufnahmen höchster Bildqualität möglich, die eine exakte Planung eines Knochenaufbaus oder einer Implantatversorgung ermöglichen. Ein weiterer Vorteil ist die wesentlich geringere Strahlenbelastung im Vergleich zu einer CT-Diagnostik.
Sollte eine DVT-Diagnostik bei Ihnen sinnvoll sein, so werden wir dies in der persönlichen Beratung mit Ihnen besprechen.
Ein Knochenaufbau ist in fast allen Fällen möglich. Hierzu existieren verschiedene Verfahren mit verschiedenen Vor- und Nachteilen, über die wir Sie gerne beraten. Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen ist ein Kieferaufbau nicht möglich.
Bei stark abgebautem Kieferknochen kann dieser durch mikrochirurgisches Einsetzen von Eigenknochen wieder aufgebaut werden. Je nach Ort und Menge erfolgt dies auf verschiedene Art und Weisen. Das Knochenmaterial kann aus verschiedenen Arealen des Kiefers entnommen werden. Hierzu besitzen wir besonders schonende Ultraschallinstrumente.
Bei kleineren Defekten wird Knochenersatzmaterial zum Aufbau des Kieferknochens verwendet. Hierfür steht eine Vielzahl von Materialien zur Verfügung, von denen wir nur die bewährtesten und am besten erprobten in unserer Praxis nutzen. Je nach Ort und Größe des Aufbaus wird das Knochenersatzmaterial noch mit sogenannten Kollagenmembranen stabilisiert und abgedeckt.
Beim Sinuslift wird vom Mundvorhof aus ein Fenster in die knöcherne Kieferhöhlenwand gebohrt, ohne die Schleimhaut, die die gesamte Kieferhöhle auskleidet zu verletzen. Mit entsprechenden Instrumenten kann anschließend die Kieferhöhlenschleimhaut im Bereich, in dem später implantiert werden soll von der knöchernen Innenwand der Kieferhöhle abgelöst werden. Auf diese Weise wird eine Art „Luftblase“ zwischen knöcherner Kieferhöhlenwand und Kieferhöhlenschleimhaut geschaffen. In diesen Raum wird anschließend Knochenersatzmaterial gefüllt.
Je nach Größe des notwendigen Aufbaus und abhängig davon, ob gleichzeitig auch Implantate gesetzt werden, nimm ein Kieferaufbau zwischen 30 Minuten und einer Stunde in Anspruch.
Der Eingriff findet immer in einer lokalen Betäubung, auf Wunsch auch zusätzlich mit einer Narkose statt. So werden Sie bei dem Eingriff keine Schmerzen verspüren. Für die Zeit nach dem Eingriff werden Ihnen leichte Schmerzmittel verschrieben, welche im Normalfall völlig ausreichend sind.
Bei Kieferaufbauten zum Zweck einer Implantatversorgung handelt es sich grundsätzlich um Leistungen, die vom Patienten selbst oder durch eine (Zusatz-)Versicherung getragen werden. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt implantologische Leistungen nur in sehr wenigen Ausnahmefällen.
Abhängig von der Art des Knochenaufbaus ist damit zu rechnen, dass Sie entweder sofort oder nach einigen Tagen wieder gesellschaftsfähig sind.